Heute berichte ich Euch wieder von einem kleinen Feldversuch. Simon und ich haben ausprobiert, ob wir den Stoff, den wir bisher in zwei Vorlesungen behandelt haben, an einem Tag lernen können.

Bis zu den Klausuren sind es noch vier Wochen. Das Semester hat Mitte Februar angefangen und gerade hatten wir zwei Wochen Osterferien, also sollten es ungefähr zwei Drittel des gesamten Stoffes sein.

ich habe vor kurzem schonmal von unserem “4-Stunden Studienwoche“-Projekt berichtet. Wir versuchen gerade, den Zeitaufwand für die Uni so gering wie möglich zu halten. Wie ich meine Bachelorarbeit geschrieben habe, habe ich Euch vor ein paar Tagen ja schon beschrieben.

Heute haben wir uns also an die Aufgabe gemacht, den Vorlesungsstoff so schnell wie möglich zu lernen.

Der Stoff welcher Vorlesungen lässt sich an wenigen Tagen lernen?

Es reicht natürlich nicht in jedem Studiengang, sich einen oder zwei Tage mit dem Stoff zu beschäftigen. Manchmal muss man Dinge ja sogar verstehen oder nachvollziehen können.

In Marketing und externem Rechnungswesen ist das allerdings genau nicht der Fall. Beide Fächer sind nur eine Aneinanderreihung von Informationen. In Marketing wechseln sich eigentlich nur Modelle, Matrizen und Folien voller Bulletpoints ab und in Rewe geht es auch nur um Prüfungsvorschriften und Ansetzungskriterien (Bilanzen etc. für Nicht-BWLer;).

Die Fächer eignen sich also super für Schnelllernverfahren, weil man wenig verstehen und einfach nur auswendig lernen muss. Die Sinnhaftigkeit ist eine andere Frage, aber in diesem Post geht es nur darum, wie man die Anforderungen mit möglichst wenig Aufwand erfüllt und den Stoff nicht gleich wieder vergisst nach den Klausuren.

1. Schritt: Informationen durchgucken und sortieren

Der ganze Stoff sollte an einem Stück geordnet vorliegen. Dann braucht man sich später nichts mehr zusammensuchen. Außerdem sollte man ihn sich schon einmal angeschaut haben. Für Leute, die in Vorlesungen gehen, sollte das kein Thema sein. Ich hatte allerdings bis heute keine Ahnung, worum es in diesem Skript geht.

Also geht den Stoff einmal durch, damit Ihr den gesamten Zusammenhang kennt. Danach fällt es viel einfacher, die einzelnen Kapitel zu verknüpfen.

Ganz wichtig: Sortiert alles aus, das irrelevant ist. So erspart Ihr Euch eine Menge Arbeit. Viele Beispiele sind zwar ganz anschaulich, aber nicht relevant für eine Klausur.

2. Schritt: Den Stoff auswendig lernen

Traurig, aber wahr. Jetzt müsst Ihr den Stoff nur noch auswendig lernen. Das Ganze sieht anders aus, wenn Ihr Physik oder Matrhe studiert, aber in den meisten geisteswissenschaftlichen Fächern ist es damit so gut wie getan.

Der Knackpunkt ist die Lerntechnik. Eigentlich ist es absurd, aber in der Schule bekommt man in der Regel nicht beigebracht, wie man lernt. Ich hatte jedenfalls nie ein Fach, in dem wir uns konkret mit Lerntechniken beschäftigt haben. Aber sie sind auch jetzt noch ganz einfach zu lernen.

Wenn der Stoff noch sehr ungeordnet ist, macht Euch eine Mindmap mit den wichtigsten Themenfeldern. Ich benutze Mindjet MindManager Pro 7. Minmaps auf dem Papier machen meiner Meinung nach nicht viel Sinn, weil sie sich hinterher nicht mehr vernünftig bearbeiten lassen.

Wenn Ihr zur Zeit überhaupt keine Mindmaps benutzt, müsst Ihr Euch vielleicht erst daran gewöhnen, Informationen so zu organisieren, aber nach einiger Zeit werdet Ihr es lieben. Und Ihr glaubt gar nicht, was sich alles mit einer Mindmap machen lässt. Theoretisch könnt Ihr Eurer ganzes Zeitmanagement und sogar ganze Projekte mit Mindmaps organisieren.

Für das Lernen ist die Anordnung von Informationen auf diese Weise sinnvoll, weil das Gehirn nicht linear denkt, sondern Informationen ähnlich kategorisiert und verknüpft wie eine Mindmap.

Als nächstes kommt der wichtigste Schritt: das eigentliche Auswendiglernen. Ich beschreibe Euch kurz, die Techniken, mit denen das am einfachsten und schnellsten geht, aber ich empfehle ich wärmstens zwei Bücher zum Thema:

In Power-Tool Gedächtnis beschreiben die Gedächtnisweltmeister Roland und Oliver Geisselhart, mit welchen Techniken man sich Dinge am schnellsten und dauerhaftesten einprägen kann. Ich konnte mir nach einer halben Stunde mit diesem Buch fünfzig vollkommen zusammenhangslose Sätze innerhalb von ca. fünf Minuten merken. Und da waren Sachen bei wie “Das Hochbauamt verbietet den Ausbau von Dachgeschosswohnungen” bei.

Grüning beschreibt in seinem Buch alle Phasen des Lernens. vom Speed Reading übers Mind Mapping bis hin zu Gedächtnistechniken.

Die wichtigsten zwei Gedächtnistechniken, die ich für den Marketingstoff angewendet habe, sind die Zahlensymbole und die Verwendung von Bildern und Geschichten.

Die Zahlensymbole findet Ihr auf der Homepage von Roland Geisselhart.

Mit dieser Technik kann man sich Folien, auf denen nur Bulletpoints stehen, super merken. Jede Zahl bekommt ein Symbol, das ihr ähnlich sieht und jetzt müsst Ihr nur noch die Information auf der Folie mit dem jeweiligen Zahlensymbol verknüpfen (Guckt Euch hierzu am besten erst die Zahlensymbole an, dann sollte klarwerden, was ich meine). Stellt Euch die Information irgendwie bildlich vor und verknüpft sie möglichst außergewöhnlich mit dem Gegenstand des Zahlensymbols.

Beispiel: Auf einer Folie war der erste Punkt “complaint definition”. Also habe ich mir vorgestellt, wie der verärgerte Kunde zu Beschwerdenannahmestelle kommt und ihm dort erstmal eine Kerze vorgesetzt wird, damit er ein Beschwerdeformular ausfüllen kann. Je verrückter und außergewöhnlicher die Verknüpfungen sind, umso besser kann man sie sich merken (und ich weiß, dass diese jetzt nicht sonderlich verrückt war).

Teilweise sind die Stories so verrückt, dass man nur noch darüber lachen kann, wenn man sie später nochmal durchgeht. Dann sind sie ganz gut, denke ich.

Informationen, die Ihr nicht mit den Zahlensymbolen verknüpft (und das ist der größte Teil), könnt  Ihr in andere Bilder einbauen und aus diesen Bilder baut Ihr Euch neue Geschichten. Die Geschichten müssen keinen Sinn ergeben. Sie sollen Euch nur den Stoff im Gedächtnis verankern.

Die Techniken sind ganz leicht. Vor allem, nachdem Ihr Power-Tool Gedächtnis gelesen habt, werdet Ihr keine großen Probleme mehr damit haben, Dinge auswendig zu lernen. Je mehr Ihr die Technken verwendet, desto kreativer werdet Ihr und desto besser könnt Ihr Euch Dinge vorstellen.

3. Schritt: Informationen verankern

Wenn Ihr den Stoff in Bilder und Geschichten “übersetzt”, prägt Ihr Euch einen Großteil schon ein. Wenn Ihr ein zweites mal drüber geht, werdet Ihr schon merken, dass Euch die Geschichten ganz automatisch wieder einfallen.

Damit Ihr Euch aber wirklich alles merken könnt, geht am besten noch zwei oder dreimal durch den ganzen Stoff. Das dauert nicht mehr lange. Ihr müsst nur kurz die Geschichten der einzelnen Kapitel durchgehen. Der Stoff ist jetzt schon in eurem Gedächtnis. Ihr müsst ihn nur noch ein bisschen verfestigen.

Wiederholt den Stoff einmal am nächsten Tag. Vieles habt Ihr Euch wahrscheinlich schon behalten. Wartet jetzt nochmal etwa eine Woche und geht alles noch einmal durch (das wird nicht mehr als 1-2 Stunden dauern je nach Stoffmenge). Nach drei bis vier Durchgängen habt Ihr alle wichtigen Informationen eingebaut und Euch die wichtigsten Geschichten eingeprägt.

Jetzt könnt Ihr Eure Klausur schreiben und Ihr habt den Stoff auch hinterher noch parat. Früher habe ich mir den Stoff oft in den Wochen vor den Klausuren reingeprügelt und direkt danach wieder mehr oder weniger vergessen. Mit Bildern und Geschichten gelernter Stoff bleibt viel länger im Gedächtnis. Außerdem macht Lernen so schon fast Spaß.

Ich werde in den nächsten Wochen noch öfter über unsere Lernmethoden berichten. Wenn Euch das interessiert, möchtet Ihr vielleicht unseren RSS Feed abonnieren, um keinen Artikel zu verpassen.